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Das Gehalt als Lehrer: Was verdient ein Lehrer und welchen Unterschied macht die Verbeamtung?

Autor:
Dominik
Stand:
28.4.2021

Nach dem Abschluss des Studiums beginnen jährlich viele Tausend Absolventen ihre Karriere in der Lehre. Wer den Berufseinstieg als Lehrer wagt, steht nicht nur vor der Frage, mit welchem Einkommen er rechnen kann, sondern auch, welche Anstellungsart sich dafür anbietet.

Wie wird man überhaupt Lehrer?

Um Lehrer zu werden und in der Lehre Fuß zu fassen, ist es zwingende Voraussetzung, eine exzellente akademische Ausbildung vorzuweisen. Das Lehramtsstudium unterscheidet sich je nach Bundesland sehr stark im Aufbau.

In einigen Bundesländern ist das Lehramtsstudium noch im Rahmen eines Staatsexamens organisiert. Das bedeutet, du legst zunächst einen akademischen Part an der Universität ab und startest nach dem Ende des Ersten Staatsexamens in dein Referendariat. Erst nach dem erfolgreichen Abschluss des zweijährigen Referendariats bist du dazu befugt, deine Karriere als Lehrer zu starten.

Inzwischen gibt es darüber hinaus auch die Möglichkeit, das Lehramtsstudium modular im Rahmen eines Bachelor- und Masterstudiums zu absolvieren. Der Vorteil ist, dass du bereits nach drei Jahren einen ersten akademischen Abschluss vorweisen kannst. Darüber hinaus ist die fachliche Durchlässigkeit, falls du doch etwas anderes machen möchtest, deutlich besser als im Vergleich zum Staatsexamen.

Wie wird ein Lehrer bezahlt und welche Unterschiede gibt es?

Die unterschiedlichen Einstellungssysteme

Wenn du vor dem Berufseinstieg als Lehrer stehst, ist nicht nur die Frage nach dem Gehalt an sich entscheidend, sondern auch nach der Schulform und der Einstellungsart. So werden beispielsweise Grundschullehrer anders bezahlt als Realschullehrer. Auch Lehrer am Gymnasium erhalten eine unterschiedliche Vergütung. Darüber hinaus gibt es mehrere Formen der Einstellung, die zur Folge haben, dass das Nettogehalt unterschiedlich ausfällt. Die gängigsten sind:

  1. Beamter: Als Lehrer kannst du in vielen Fällen verbeamtet werden, was bedeutet, dass dein Gehalt in entsprechende Besoldungsgruppen eingeordnet wird. Zunächst wirst du dabei als Beamter auf Probe eingestellt, ehe du dann Beamter auf Lebenszeit wirst.
  2. Tariflich angestellter Lehrer im öffentlichen Dienst: Nicht jeder Lehrer, der an staatlichen Schulen arbeitet, wird verbeamtet. Es gibt auch die Option des öffentlichen Dienstes. Hier fallen Sozialversicherungsbeiträge an, die dein Gehalt – insbesondere dein Netto – stark beeinflussen.
  3. Kirchlich Angestellter: Neben dem Gesundheitswesen findest du auch in der Lehre häufig noch kirchliche Träger von Schulen. Die Kirche ist damit auch einer der größten Arbeitgeber Deutschlands. Das Gehalt ist häufig tarifgebunden.
  4. Angestellter bei privaten Schulen: In Deutschland ist es als Lehrer auch möglich, an Privatschulen zu unterrichten. Das ist jedoch eher die Ausnahme als die Regel. Hier unterliegt das Lehrergehalt auch den typischen Sozialabgaben und Steuern.

Das Gehalt als verbeamteter Lehrer

Absolventen des Lehramtsstudiums, die verbeamtet werden, starten normalerweise in der Besoldungsgruppe A 12 und hier in Stufe I. Das bedeutet für 2021, dass du mit einem Grundgehalt von 3.801,25 Euro rechnen kannst.

Das klingt auf den ersten Blick nach einem überschaubaren Gehalt für einen Lehrer, du darfst hierbei jedoch nicht vergessen, dass Beamte keine Sozialversicherungsbeiträge entrichten müssen. Das bedeutet konkret, dass du lediglich Abzüge durch die Lohnsteuer tragen musst. Bei dem oben genannten Grundgehalt ergibt sich also ein Nettogehalt in Höhe von 3.028,50 Euro. Damit liegst du bereits über dem durchschnittlichen Einkommen in Deutschland.

Mit zunehmender Berufserfahrung steigen deine Stufen an, sodass du automatisch mehr verdienst. Detaillierte Informationen findest du in den Besoldungstabellen des jeweiligen Bundeslands. Diese Tabelle zeigt zum Beispiel die Besoldungsstufen in Baden-Württemberg (Stand: März 2021).

Das Gehalt als Angestellter im öffentlichen Dienst

Wer nicht als verbeamteter Lehrer starten kann, wird häufig im Rahmen des öffentlichen Dienstes eingestellt. Hier greift nicht die Besoldungsordnung, sondern der Tarifvertrag für die Länder, kurz TL-V. Der Tarifvertrag der Länder ist öffentlich einzusehen. Hier findest du auch die Vergütungstabellen.

Jedes Bundesland regelt dabei individuell die Bezahlung der Lehrer. Die Eingruppierung erfolgt häufig auf Basis der Lehr- bzw. Berufserfahrung und der Schulart. So verdienen Lehrer an Realschulen häufig weniger als ihre Kollegen und Kolleginnen an Gymnasien.

Ein wichtiger Punkt beim Gehalt als angestellter Lehrer im Rahmen des öffentlichen Dienstes ist, dass du auch Sozialversicherungsabgaben zahlen musst. Du musst also Beiträge zur Renten-, Arbeitslosen-, Pflege- und Krankenversicherung aufbringen. Das führt dazu, dass du ein höheres Bruttogehalt brauchst, um auf dasselbe Nettoeinkommen wie bei einem verbeamteten Lehrer zu kommen.

Die meisten Lehrer starten in der Entgeltgruppe A 13. Wie auch bei verbeamteten Lehrern gelten beim Gehalt regionale Unterschiede. So verdient ein Lehrer in Bayern üblicherweise mehr Geld als in Nordrhein-Westfalen (NRW) bzw. Niedersachsen.

Welche Einstellungsart sollte ich wählen, wenn mir das Gehalt wichtig ist?

Wie du an den unterschiedlichen Einstellungsarten erkennen kannst, unterscheiden sich die Brutto- und Nettoeinstiegsgehälter zum Teil sehr deutlich. Eine pauschale Aussage dahingehend, welche Einstellungsform für dich am besten geeignet ist, lässt sich nicht treffen.

Unter ökonomischen Aspekten bietet dir das Beamtentum durch die spätere Pension, die Beihilfe zur (privaten) Krankenversicherung und die Verbeamtung auf Lebenszeit attraktive Vorteile. Hier fällt auch das Nettogehalt relativ hoch aus, sodass sich der Berufseinstieg für dich auszahlt. Vor deinen Bewerbungen solltest du natürlich prüfen, in welchen Bundesländern eine Verbeamtung wahrscheinlich ist und in welchen hingegen nicht (so stellen manche Bundesländer ihre Lehrkräfte teilweise nur noch als Angestellte des öffentlichen Dienstes ein).

Ist dir die lebenslange Jobsicherheit nicht so wichtig und willst du flexibel auch hinsichtlich deines späteren Wohnortes sein, könnte die Anstellung bei privaten bzw. kirchlichen Schulträgern ebenso wie die Anstellung im Rahmen des öffentlichen Dienstes für dich interessant sein.

Insbesondere bei privaten Schulen ist es durchaus möglich, eine deutlich höhere Vergütung als bei staatlichen Schulen zu erhalten. Hier erhältst du dann einen regulären Arbeitsvertrag.

Fazit: Lehrer verfügen über ein attraktives Einkommen und vielfältige Möglichkeiten

Das Berufsbild des Lehrers wird dich nicht reich machen. Nichtsdestotrotz gehört das Gehalt eines Lehrers definitiv zu den Berufen, die ein sorgenfreies Leben mit einem sehr guten Lebensstandard ermöglichen. Durch die vielfältigen Einsatzgebiete, Schulformen und Einstellungsarten ergeben sich für dich attraktive Möglichkeiten für deine Karriere.

Nicht zuletzt ist neben dem Gehalt aber auch die mentale Voraussetzung für den Lehrberuf entscheidend. So bringt dir das höchste Lehrergehalt nichts, wenn du der enormen Belastung als Lehrer nicht auch dauerhaft gewachsen bist. Da du zudem ein mindestens fünfjähriges Studium absolvieren musst, um überhaupt als Lehrer starten zu können, ist der Weg bis zum Berufseinstieg entsprechend lang.

Als akademisch ausgebildete Lehrkraft steht dir darüber hinaus auch die Möglichkeit offen, an der Universität zu bleiben und zu promovieren. Mit der abgeschlossenen Promotion steht dir dann auch direkt die Karriere in der Wissenschaft, beispielsweise als Professor, offen. Die Gehälter als Professor liegen im Durchschnitt über dem Lehrergehalt, jedoch sind die Zugangsvoraussetzungen deutlich höher.

Bildquelle: Unsplash

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